So findest du passende Farben für dein Branding

Als Personal Brand sollten deine Unternehmensfarben vor allem zu dir passen. Ich zeige dir, wie du diese spezielle Farbwelt erstellen und so bestimmte Emotionen erzeugen kannst.

Lesezeit: Minuten

Inhalt

Die passenden Farben unterstreichen wie du wahrgenommen werden möchtest

aktivierendes Rot
federleichtes Türkis
warmherziges Ocker
Farben entführen uns in eine ganz spezielle Welt. Ein kräftiges Rot scheint dir zuzurufen „Hey, aufgepasst! Alle mir nach!“. Ein zartes Pastell-Türkis verspricht fröhlich „Nimm meine Hand, dann geht’s leichter“. Und ein gedecktes Ocker gießt dir vielleicht eine schöne Tasse Tee ein und sagt „Erzähl, was hast du auf dem Herzen?“. Als Selbständige stehst du mit deinem Gesicht und deinem Namen für dein Unternehmen. Und als solche Personal Brand möchtest du deine potentiellen Kunden in deine spezielle Welt entführen. Dafür müssen deine Unternehmensfarben
  • zu dir passen
  • stimmig zum Gesamtkonzept sein
  • richtig eingesetzt werden.
Schließlich sind Farben gemeinsam mit Schriften die wichtigsten Gestaltungselemente deines Brand Designs. Aber wie findest du Farben, die zu dir passen? Wenn du nicht nur nach dem eigenen Bauchgefühl gehen möchtest, gebe ich dir hier ein paar Strategien mit, mit denen du dir ein Farbschema erarbeiten kannst.

Was soll das eigentlich heißen „passende Farben“?

Sollen das Farben sein, die dich eh immer schon umgeben? Dann könntest du einfach deine Lieblingsfarben nehmen.

Sollen das Farben sein, die dir stehen? Die du als Kleidungsstücke anziehen kannst? Dann könntest du nach den vier Jahreszeiten-Farbtypen gehen. (Mehr dazu weiter unten)

Beides ist für Personal Brands ein erster Ausgangspunkt, weil du dich, anders als Konsumgüter nicht erst erfinden musst.

Was ich am wichtigsten finde: deine Branding Farben müssen zur Aussage deines Unternehmens passen.

Passende Farben sind vorallem Farben, die zu deiner Aussage passen

Was versprichst du deinen Kunden? Was willst du kommunizieren?

  • verspielt oder seriös
  • luxuriös oder erschwinglich
  • modern oder klassisch
  • jugendlich oder reif
  • laut oder gedämpft

 

Anders formuliert: sagst du „Auf geht’s, Schweinsgalopp!“ oder „Lass dir ruhig die Zeit, die du brauchst.“? Bist du mehr die Kontra gebende Sparringpartnerin oder ist es dir vor allem wichtig, dass sich alle wohlfühlen? Vielleicht gehst du bewusst freundschaftlich mit deinen Kunden um? Oder es ist dir im Gegenteil sehr wichtig als seriös und kontrolliert wahrgenommen zu werden?

Wenn du an solche Eigenschaften von dir als Selbständige, als Personal Brand denkst, greift eine einzelne Farbe zu kurz. Denn jede Farbe gibt es in unterschiedlichen Farbtönen. Außerdem entfaltet sie erst zusammen mit anderen Farben und Design-Elementen ihre Wirkung.

Die Wirkung deiner Branding-Farbe hängt vom Farbton ab

Farbkreis

Kalte und warme Farben

Natürlich kennst du den Farbkreis. Und du kennst auch seine klassische Unterteilung in kalte und warme Farben. Blau ist kalt, Rot ist warm haben wir gelernt.

Vielleicht ist dir aber neu, dass es kaltes und warmes Rot, Blau, Grün, Gelb etc. gibt. Je nachdem ob z.B. das Rot in die bläuliche (bordeaux, himbeer) oder in die gelbliche Richtung (koralle, lachs) tendiert.

Farbtypen nach den Jahreszeiten

Die Entscheidung ob z.B. ein warmes oder kaltes Rot besser zu dir passt, kannst du auch an deinem Hautton festmachen. 

Weiter oben habe ich die Jahreszeiten Farbtypen erwähnt. Du kennst das vielleicht aus der Mode- und Stilberatung. Hier wird je nach Haut-, Augen- und Haarfarbe in Frühling, Sommer, Herbst und Winter-Typen unterschieden.

Das Internet ist voll von Online-Tests dazu, die meisten sind grottenschlecht. Ich bin je nach Verfasser Winter (weil ich blaue Augen habe), Frühling oder Herbst. So auseinander klaffende Ergebnisse höre ich von anderen auch – darum empfehle ich nicht, seine Branding-Farben ausschließlich nach diesem Modell zu wählen.

Die Einteilung nach dem Jahreszeiten-Modell ist für den Laien nämlich nicht so einfach, und es gibt auch nochmal Mischtypen.

Kühl oder Warm mit diesem simplen Trick

Dennoch kann dir ein simpler Trick aus der Mode- und Stilberatung helfen herauszufinden, ob du eher ein kühler oder warmer Typ bist. Das hängt nämlich vor allem vom Hautunterton ab, ob der (beim kühlen Typ) bläulich oder (beim warmen Typ) gelblich ist.

Nimm je ein Stück Silber- und Goldfolie und halte es dir unter das Gesicht. Was lässt dich frischer und strahlender aussehen? Wenn du es nicht erkennen kannst: es gibt auch neutrale Haut-Typen, bei denen passt beides gut.

Test Farbtyp Silberfolie
Test Farbtyp Goldfolie

Ich habe einen gelblichen Hautunterton. Durch die Silberfolie wird mein Gesicht rötlich-bläulich („Schweinchenrosa“). Die Goldfolie ist eindeutig vorteilhafter.

Vielleicht hast du das eh schon immer unterbewusst gemacht, in dem du dich für Gold- oder eben Silberschmuck entschieden hast.

Ich habe jedenfalls alle kühlen Grautöne und auch kaltes Weiß aus meinem Schrank verbannt, nachdem ich einmal ein Foto von mir in einem silber-grauen Pullover gesehen habe. Ich habe ausgeschaut, als ob ich 14 Tage kein Sonnenlicht gesehen hätte.

Schau auch gleich mal in deinen Kleiderschrank – ist da eine Farbe vorrangig vertreten? Dann spricht nichts dagegen, diese als Ausgangspunkt deiner weiteren Farbreise zu nehmen.

Zum Thema Unternehmensfarben und Business-Kleidung habe ich mit Style Coach Ingrid Angehrn ein Interview geführt. Sie beantwortet mir darin u.a. die Frage „Muss ich meine Brand-Farben tragen können?“

Soll ich meine Branding-Farben nur nach meinem Farbtyp wählen?

  • Nein. Jedoch hilft dir die Einteilung in warme oder kühle Haut-Typen dabei, Farben zu finden, die dir auch zu Gesicht stehen. Das ist für Fotos auf denen du deine „Brand Colors“ trägst von Vorteil.
  • Farbtypen (kühl/warm) gilt vor allem für Kleidung die du nahe am Gesicht trägst. Hosen, Röcke und Accessoires müssen nicht nach diesem Gesichtspunkt ausgewählt werden.

Pastell-Farben, Schattierungen und Sättigung

Aber nicht nur die Tendenz zu warm oder kalt bestimmt den Farbton. Pastellfarben erreichst du wenn du den Farbton mit weiß mischst, gedeckte Töne mit Schwarz. Wenn du grau beimischst, verringert sich die Sättigung, sie wird weniger kräftig, ohne dass der Farbeindruck dunkler wird.

verschiedene Gelb-Töne

Verschiedene Tönungen von Gelb. Es macht einen Riesenunterschied in deiner Kommunikation, ob du Sonnenblumen-Gelb, Pastell-Gelb oder Neon-Gelb wählst.

Eine Farbe allein ist nicht aussagekräftig

Was viele versuchen ist, nach den Kriterien der Farbpsychologie eine Unternehmensfarbe aus zu wählen. Dabei werden den einzelnen Farben Eigenschaften und Emotionen zugeschrieben.

„Ich bin naturverbunden, darum nehme ich Grün“

„Mir soll man vertrauen können, darum brauche ich Blau“

„Ich bin immer fröhlich, darum wähle ich Gelb“

„Mein Thema ist spirituell, darum nehme ich Violett“ 

Nichts gegen die Erkenntnisse der Farbpsychologie, die hat unumstritten ihre Berechtigung. Nicht umsonst werden Marken minutiös nach diesen Kriterien die Farben auf den Leib geschneidert.

Hingegen vor der relativ weißen Leinwand zu sitzen, und als erstes einen einzigen Klecks deiner Unternehmensfarbe darauf zu malen, und mit vollem Herzen zu sagen „Das ist meine Unternehmensfarbe“ ist für den Anfang ein ziemlich schwieriger Start. Eine einzige Farbe ist einfach nicht aussagekräftig genug.

Es ist ein bisschen, als ob du eine Hose anziehst und entscheiden sollst, ob du so zum 60er von Tante Josefine richtig angezogen bist. Du und ich wissen, es kommt total darauf an, was du zu dieser Hose kombinierst.

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Entscheide dich für eine Farbpalette

Bei der Entscheidung für eine Unternehmensfarbe geht es immer um die Kombination mit dem restlichen Design. Andere Farben, Schriften, Fotos.

Die Farbe steht ja später nicht im luftleeren Raum. Die Kombination verschiedener Farbtöne erzeugt einen Farbklang – und der soll so klingen wie das, was du als Selbständige aussagen möchtest.

Entscheide dich also nicht für eine einzelne Farbe. Sieh dir gleich ein komplettes Farbschema an und entscheide, ob dir das entspricht oder eben nicht.

Ein Gefühl für unterschiedliche Farbkombinationen und das enorme Spektrum an Möglichkeiten bekommst du z.B. bei Pinterest, wenn du „Farbpalette“ oder „color palette“ suchst. Oder du gehst direkt auf spezielle Farb-Tools wie Coolors, die dir Farbpaletten vorstellen.

Alle Tools dazu sowie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du in meinen Blogartikel wie du deine Farbpalette erstellt.

Farbpaletten in Pinterest
Farbpaletten bei Coolors.co

Farbpaletten in der Pinterest-Suche oder beim interaktiven Online-Tool coolors.co

Speed Pinterest Moodboard

  • Überlege dir zu allererst, was du als Selbständige kommunizieren möchtest. Wie du deinen Kunden gegenüber trittst. Das ist die absolute Basis jeder Gestaltungsentscheidung.
  • Erst dann empfehle ich dir ein Pinterest Moodboard anzulegen. Stell dir den Timer auf 30 Minuten, suche nach „Farbpalette“ oder „color palette“ und speichere die Bilder, die dich spontan ansprechen.
  • Geh dabei ruhig zügig und intuitiv vor. Wenn du lange grübelst, ist es höchstwahrscheinlich nicht das richtige.
  • Gibt es einen Überhang bei der Farbwahl? Dann setze dort an, deine Farbpalette zu verfeinern.
  • Hast du total unterschiedliche Pins? Spannend! Das kann bedeuten, dass du als Selbständige unterschiedliche Charakterzüge vereinst. Überlege, wohin du den Fokus legen möchtest.

Passende Farben kombinieren mit dem Farbkreis

Wenn es nun daran geht, dir eine Farbpalette zusammen zu stellen, ist der Farbkreis sehr praktisch. Klar kannst du dir deine Farben rauspicken, wie du lustig bist. Oder du kannst dir eine Farbpalette nach einem dieser Modelle erstellen lassen.

  • Monochromatisch
  • Analog
  • Komplementär
  • Geteilt Komplementär 
  • Triade
Farbschema monochromatisch

Monochromatisch

Ein monochromatisches Farbschema enthält Farbtöne, die sich nur in ihrer Helligkeit und Sättigung unterscheiden. Auf Dauer kann das als alleinige Farbwelt für deinen gesamten Auftritt vielleicht langweilig werden. Während ein monochromatisches Farbschema eventuell für einen minimalistischen Auftritt gut geeignet ist, besteht die Herausforderung darin, die Farbtöne ausreichend weit zu differenzieren (durch Hell/Dunkel, gesättigt/gedeckt), dass es fürs Auge nicht scheinber alles eins wird.

Farbschema analog

Analog

Ein analoges Farbschema enthält Farbtöne, die auf dem Farbenkreis direkt nebeneinander liegen. Farbnachbarn passen immer gut zusammen, weil sie in der Regel ähnliche emotionale Konnotationen haben. Analoge Schemata sind eine sichere Sache, gut umgesetzt wirkt das Design insgesamt ausgeglichen und ruhig. Sie sind jedoch nicht die beste Wahl, um hervorzustechen oder Aufmerksamkeit zu erregen.

Farbschema komplementär

Komplementär

Ein komplementäres Farbschema enthält Kontrastfarben, das sind Farben die im Kreis gegenüber liegen. Kontrastfarben unterstützen sich gegenseitig in ihrer Wirkung, so wie erst eine dunkle Bühne ein Scheinwerferlicht hell macht. Wenn du dich für Komplementär-Farben entscheidest, setze sie nicht 50/50 ein. Nimm eine als Haupt- und eine als unterstützende Farbe.

Farbschema split complementary

Split complementary (dt. „Geteilt Komplementär“)

Ein Farbschema nach dem Modell „split complementary“ ergibt drei Farben, wobei zwei davon recht ähnlich sind und zur dritten einen starken Kontrast haben. Dieses Farbschema ist kontrastreich, aber nicht so spannungsgeladen wie die reine Komplementär Variante.

Farbschema triade

Triade

Bei einem Farbschema nach dem Modell Triade haben die Farben auf dem Farbkreis einen gleichmäßigen Abstand. Genauso wie beim komplementären Modell solltest du hier einen Farbton häufiger und die anderen weniger häufig verwenden, sonst wird es schnell zu bunt (außer natürlich wenn genau das gewünscht ist).

Online-Tools zum Erstellen von Farbpaletten

Wie du selbst eine Farbpalette erstellst und welche Tools du dafür zu Hilfe nehmen kannst, liest du in dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung wie du deine Farbpalette erstellst.

Vermeide diese Fehler bei der Wahl deiner Unternehmensfarben

Fehler Nr. 1: Du wählst zu viele Farben

Auch wenn du dich nicht entscheiden kannst: weniger ist oft mehr. Mehr als drei Farben solltest du nicht auswählen. Für die meisten Anwendungen wird es vor allem als Nicht-Designer sonst einfach zu bunt. Wenn du dich für mehrere Farbtöne entschieden hast, suche dir dabei eine Farbe aus, die du als Hauptfarbe vorrangig einsetzt. Die anderen setzt du als Unterstützung ein.

Fehler Nr. 2: Du setzt alle Farben gleich oft ein

Halte dich beim Einsatz von Farben in deinem Brand Design an die 60-20-10-Regel. 60% kommt deine Hauptfarbe zum Einsatz, 20% eine weitere Farbe, und nur 10% eine dritte. Neutralere helle und dunkle Töne kommen dann noch dazu.

Fehler Nr. 3: Du hältst dich nicht an deine Farbpalette

Gleichbleibende Unternehmensfarben bringen dir Wiedererkennung. Darum definiere einmal deine Farbpalette und bleib dabei! Ständiges Hin und Her-Ändern der Farben stiftet Verwirrung und zahlt nicht auf dein Vertrauenskonto ein. Notiere dir unbedingt die Farbcodes, du erkennst sie an der Raute „#“. Wähle keinesfalls das „wird-schon-passen-Türkis“.

Fehler Nr. 4: Du nimmst die Farben, die deine Mitbewerber auch haben

In meinen Beratungen gebe ich gerne den Tipp nicht zu sehr auf Mitbewerber zu schielen. Es macht einen oft unglücklich, vor allem wenn man in einer ersten Findungs-Phase ist. Wenn du also denkst „Alle meine Mitbewerber sind grün, dann muss ich es genauso machen“ gebe ich gerne Entwarnung. Gerade wenn dein ganzer Mitbewerb Grün als Unternehmensfarbe gewählt hat, kannst du hier gut herausstechen. Viel wichtiger als das Herausstechen ist aber, dass die Farbwelt zu dir passt.

Fehler Nr. 5: Du nimmst auf keinen Fall die Farben, die deine Mitbewerber auch haben

Wenn du dir denkst „Alle meine Mitbewerber sind grün, dann bin ich rot“ kann das eine gute Wahl sein, wenn du dazu die Persönlichkeit hast. Finger weg davor, dein Brand-Design anders zu halten einfach um als anders wahrgenommen zu werden. Deine Farben erst recht anders zu wählen als dein Mitbewerb, nur weil du nach einem USP suchst, wird dir auf lange Sicht sicher nicht helfen.

Für dich zum Mitnehmen

  • Wähle deine Unternehmensfarben passend zu deiner Aussage und wofür du als Personal Brand stehst.
  • Nähere dich „deinen“ Farben durch eine Farbpalette (z.B. auf Pinterest oder Online-Farb-Tools). So kannst du die Wirkung besser einschätzen als durch eine einzelne Farbe auf weißem Papier.
  • Nutze die Kombinationsmöglichkeiten des Farbkreises, wenn du Farben kombinieren möchtest. Eng beieinander liegende Farben ergeben ein ruhiges Erscheinungsbild, erregen aber weniger Aufsehen als ein Farbschema mit Komplementär-Farben.
Sigrid Thomas Brand Design
Sigrid Thomas

Ich entwickle die unverwechselbare Linie, mit der sich Selbstständige präsentieren. Von der Gestaltung des Logos, über Drucksorten bis zur fertigen Website ist es mir wichtig, dass sich der rote Faden durchzieht.

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